Lena Nzume: Rede (Akt. Stunde GRÜNE) zur überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung

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TOP 27a Rede Aktuelle Stunde „Weniger Bürokratie, mehr Ausbildung: Handwerk, Bau und Landwirtschaft stärken durch verlässliche Finanzierung für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) stärken“

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrte Präsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren,

das deutsche System der dualen Ausbildung ist eine unserer stärksten gesellschaftlichen Errungenschaften. Praxis im Betrieb, Theorie in der Berufsschule – dieses Zusammenspiel ist weltweit anerkannt.

Heute sprechen wir über einen Teil der Ausbildung, der wesentlich zur Qualität der Ausbildung beiträgt und doch unsichtbar bleibt: die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, kurz ÜLU.

Deutschlandweit gibt es etwa 600 überbetriebliche Berufsbildungsstätten des Handwerks, gut 50 davon hier in Niedersachsen. Dort findet jene Ausbildung statt, die Betriebe allein nicht stemmen können – nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil Spezialisierung zum Alltag gehört. Die ÜLU ist die verlängerte Werkbank unserer Wirtschaft. Ohne sie gäbe es keine gleichwertige Ausbildung, keine moderne Qualifizierung und keine Fachkräfte, die bundesweit sofort einsetzbar sind.

Die ÜLU ist der Ort, an dem jeder und jede Auszubildende die gleichen Chancen bekommt – unabhängig vom Betrieb, unabhängig von der Größe, unabhängig von der Spezialisierung.

Das ist Bildungs- und Gerechtigkeitspolitik zugleich.

Bis heute war die Finanzierung der ÜLU kompliziert, bürokratisch und oft frustrierend. Eine Mischung aus Bundesmitteln, Landesanteilen und ESF+-Geldern führte zu Unsicherheiten, Verzögerungen und zu einem Aufwand, der Träger, Kammern und Betriebe unnötig belastet hat. Wer ausbildet, sollte Energie in Qualität investieren – nicht in Formulare.

Deshalb wird nun eine wichtige Reform angestoßen:

Von 2027 an übernimmt Niedersachsen die Finanzierung der ÜLU vollständig aus Landesmitteln.

Welche Vorteile bringt diese Reform?

  • Deutlich weniger Bürokratie: Aufwendige ESF+-Nachweise und administrativer Aufwand entfallen.
  • Mehr Planungssicherheit: Träger, Kammern und Betriebe können langfristig verlässlich kalkulieren.
  • Stabile Finanzierung: Mittel fließen schneller und ohne Verzögerungen, weil komplizierte Fördermechanismen wegfallen.
  • Stärkere Ausbildungsstrukturen: Die ÜLU bleibt dauerhaft gesichert – ein zentrales Signal in Zeiten des Fachkräftemangels.
  • Nutzung freiwerdender ESF+-Mittel für andere Fördermaßnahmen: Das Geld bleibt im Land und stärkt weitere Projekte.

Damit setzen wir ein Signal für Verlässlichkeit und Planungssicherheit.

Diese Entscheidung stärkt die Rechte und Perspektiven unserer Auszubildenden.

Denn Ausbildung muss nicht nur gut gemeint sein, sie muss gut gemacht sein. Die vollständige Landesfinanzierung schafft endlich die Freiheit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Qualität der Ausbildung. Und sie schützt die ÜLU davor, Spielball wechselnder Förderlogiken zu werden. Das bedeutet: keine Verzögerungen mehr, keine Notprogramme, keine Unsicherheit, ob ein Kurs stattfinden kann.

Sondern: Stabilität, Modernität, Verlässlichkeit.

Und für die Auszubildenden heißt es ganz konkret:

Egal in welchem Betrieb sie arbeiten – sie erhalten eine hochwertige, moderne, vollständige Ausbildung.

Und das ist in Zeiten des Fachkräftemangels entscheidender denn je.

Für Niedersachsen ist diese Entscheidung nicht nur eine bildungspolitische – es ist eine wirtschaftspolitische, eine sozialpolitische und eine gesellschaftspolitische Entscheidung.

Denn wer in Ausbildung investiert, investiert in die Zukunft des Landes.

Ich danke allen Kammern, Bildungszentren, Gewerkschaften und Betrieben, die immer wieder deutlich gemacht haben:

Gute Ausbildung braucht starke Strukturen – und die ÜLU ist eine dieser tragenden Säulen.

Mit der Übernahme der Finanzierung setzt Niedersachsen ein starkes Zeichen: Wir stärken unser Handwerk. Wir stärken die duale Ausbildung. Wir stärken die jungen Menschen, die dieses Land morgen tragen werden.

Vielen Dank.

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