Lena Nzume: Rede zu Gewalt an Schulen (Antrag CDU)
TOP 37 Gewalt an Schulen entschlossen begegnen - für mehr Sicherheit an Schulen (Antrag CDU)
- Es gilt das gesprochene Wort -
Leider ist Gewalt an Schulen keine Ausnahme mehr. Sie ist Alltag. Sie tritt laut auf – mit Schlägen und Drohungen – aber ebenso leise: durch abwertende Blicke, verletzende Worte oder CyberMobbing. Diese leisen Formen sind nicht mindergefährlich. Gewalt beginnt nicht mit der Faust, sondern mit Worten und Mikroaggressionen.
Studien zeigen: Diskriminierung und Mobbing sind strukturelle Probleme. Deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass das Kultusministerium Antidiskriminierungs-Anlaufstellen aufbaut. Das zeigt: Alle haben ein Recht auf Respekt. Die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft steigt – und Schulen spüren es zuerst!
Deshalb hat die Landesregierung ein ressortübergreifendes Konzept vorgelegt – gemeinsam mit Sozial-, Innen- und Justizministerium. Es schafft klare Abläufe, Leitlinien und Handlungssicherheit für Schulen. Lassen Sie mich eines klarstellen: Rechtsunsicherheit hat es nie gegeben. Ein Erlass gilt, bis ein neuer in Kraft ist. So funktioniert ein verlässlicher Rechtsstaat.
Gewalt entsteht oft aus Stress. Wenn ein Kind morgens in die Schule kommt, mit einem Rucksack voller Sorgen, familiären Belastungen und Problemen kommt, dann sehen wir diese Last nicht. Wenn dann noch Leistungsdruck oder das Gefühl dazu kommt, nicht gesehen so werden, reagiert irgendwann impulsiv.
Darum stärken wir die psychische Gesundheit – mit mehr Schulpsychologie und Angeboten wie ‚Jugendliche Stärken‘. Prävention heißt: helfen, bevor es brennt.
Rufe nach härteren Strafen sind kurzsichtig. Unterrichtsausschlüsse isolieren Jugendliche und oder treiben sie genau jeden in die Arme, die ihnen schaden. Strafen allein lösen nichts. Wir brauchen nicht mehr vom Gleichen. Wir brauchen mehr vom Richtigen: mehr multiprofessionelle Teams, mehr Beratung, mehr Begleitung, mehr Prävention.
Der neue Gewaltpräventionserlass setzt genau hier an: verpflichtende Schutz- und Präventionskonzepte, klare Reaktionswege, Zusammenarbeit mit Polizei, Jugendhilfe und Beratungsstellen. Er stärkt auch den Schutz vor sexualisierter Gewalt.
Und: Lehrerbildung wird praxisnäher – mit Einblicken in Jugendstrafverfahren, Krisenintervention und Kooperationstraining. Professionelle Schulen brauchen professionell vorbereitete Lehrkräfte.
Dass Veränderung möglich ist, zeigen erfolgreiche Projekte: So etwa das Begleitprogramm „Back to School“ in Hannover, Case-Management in Oldenburg, die fast vollständige Rückführung schulabstinenter Jugendlicher im Ammerland. Wer kooperiert, gewinnt.
Der Blick nach PISA-Star Finnland bestätigt es: Weniger Druck, mehr Beziehung – das reduziert Gewalt. Offene Lernräume, Teamteaching, flexible Strukturen und konsequente Anti-Mobbing-Arbeit führen nachweislich zu mehr Sicherheit und besseren Leistungen. Der Freiräume-Prozess folgt genau diesem Ansatz! Weniger Stress, mehr Zusammenhalt bedeutet auch weniger Gewalt.
Lassen wir uns doch von erfolgreichen Modellen inspirieren! Unser gemeinsamer Auftrag ist: Jedes Kind soll in der Schule sicher sein. Darum stärken wir Schulsozialarbeit, bauen multiprofessionelle Teams aus und verankern Gewaltprävention fest in der Ausbildung. Denn sie ist nicht nur Ordnungspolitik – sondern Bildungs-, Sozial- und Demokratiepolitik zugleich.
Mit immer härteren Gesetzen verlieren Jugendliche. Prävention gewinnt sie.
Wer Jugendliche ernst nimmt, schützt ihre Zukunft. Schule muss ein Ort sein, an dem jedes Kind spürt: Ich bin sicher. Ich werde gesehen. Ich bin wertvoll.
So reduzieren wir nicht nur Gewalt – so schaffen wir Chancen. Und Zukunft.