Lena Nzume: Rede zur Offensive für Bildungsqualität

© Plenar TV

TOP 41 Antrag (SPD/GRÜNE) Offensive für mehr Bildungsqualität in Niedersachsen - für bessere Lernzeit, höhere Kompetenzen und mehr Bildungsgerechtigkeit

- Es gilt das gesprochene Wort -

Kein Kind soll die Schule verlassen, ohne richtig lesen, schreiben und rechnen zu können. PISA 2025 hat gezeigt, dass dies nicht selbstverständlich ist. Das schlechte Ergebnis ist die Folge eines veralteten Schulsystems, das soziale Ungerechtigkeit verstärkt. 

Dies ist kein Problem einzelner Kinder oder von Eltern, die Bildung nicht so wichtig finden. Es ist ein Systemproblem. Und ein Systemproblem wird nicht durch ein Bündel von Einzelmaßnahmen gelöst. Noch wird es gelöst mit dem Festhalten an einem Weiter-wie-bisher. 

Systemprobleme werden mit einer Gesamtstrategie und einem Plan gelöst, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und sich auf veränderte gesellschaftliche Verhältnisse bezieht.

Unser Bildungssystem braucht ein Update! Deshalb bringen wir heute eine landesweite, langfristige Qualitätsoffensive für bessere Bildung in Niedersachsen auf den Weg.

Zur Wahrheit gehört: Wir fangen nicht bei null an. Die Sichere Basis, der Ausbau multiprofessioneller Teams, mehr individuelle Förderung oder die Umsetzung des Startchancen Programms – Kultusministerin Julia Willie Hamburg hat viel angestoßen. Und in dieser Legislaturperiode wurde so viel in Bildung investiert wie nie zuvor. Diesen Weg gehen wir weiter.

Aber – und das sage ich ganz offen – wir sind noch nicht am Ziel. 

Schon beim ersten PISA-Schock im Jahr 2000 lag Deutschland in allen Bereichen zurück. Und bereits 1995 zeigte die TIMSS-Videostudie: Unser Unterricht ist zu eindimensional. 

Das ist dreißig Jahre her. Dreißig Jahre – und wir reden immer noch über dieselben Probleme. Hätte es damals eine grüne Kultusministerin und eine rot-grüne Qualitätsoffensive gegeben, stünden wir heute anders da! 

PISA-Studienleiter Samuel Greiff sagt: „Bildungssysteme können sich verändern. Das zeigen viele andere Staaten – und das hat Deutschland nach dem PISA-Schock vor 25 Jahren selbst eindrucksvoll bewiesen.“ 

Wir müssen es also nur tun. Und wir tun es – mit fünf konkreten Punkten:

Erstens: Wir entwickeln Lehr-Lern-Prozesse weiter – wissenschafts- und datenbasiert. Das SWK-Gutachten 2026 zeigt: Die Daten sind da – sie werden nur nicht genutzt. Sie liegen in Tabellen, statt im Klassenzimmer anzukommen. Wir wollen ein verbundenes Datensystem, das Schulaufsicht, Schulen und Lehrkräfte zusammenführt. Damit aus jeder Erhebung eine konkrete Unterstützung wird.

Zweitens: Wir stärken kompetenzorientierten Unterricht, damit unterstützen und ermutigen wir Schüler*innen. Das umfasst individuelle Förderung, inklusive Prüfungen, inklusive Materialien.

Drittens: Lesen, Schreiben, Rechnen – also die Basis sichern wir systematisch. Mit genug Lernzeiten, guter Förderung und multiprofessioneller Unterstützung.

Viertens – und das ist mir persönlich besonders wichtig: Viele Kinder fühlen sich in der Schule nicht gesehen. Das zeigen die Studien, und das höre ich auch oft in Schulen. Ein Kind, das sich nicht gesehen fühlt, lernt nicht. Punkt. Deshalb stärken wir Wohlbefinden, Motivation und Lernfreude - als Herzstück unserer Offensive. Schule soll ein Ort sein, an dem jedes Kind erlebt: Ich kann etwas. Ich werde gesehen. Meine Anstrengung zählt.

Fünftens: Land, Schulen und Kommunen ziehen an einem Strang. Gute Bildung gelingt nur wenn alle gemeinsam handeln. Und dafür verankern wir Fortbildungen für einen modernen, lebensnahen, motivierenden Unterricht.

Ich weiß, es gibt Bedenken gegenüber zusätzlicher Datenerhebung und Angst vor mehr Bürokratie. 

Deshalb sage ich es deutlich: Daten sind kein Selbstzweck. Sie sollen helfen, gezielter zu fördern und Ressourcen gerechter zu verteilen. So viel Datengrundlage wie nötig, so wenig Bürokratie wie möglich. Die meisten Daten liegen ohnehin schon vor. Wir müssen sie nur sinnvoll nutzen und mit konkreten Fördermaßnahmen verknüpfen. So entsteht aus jeder Erhebung eine wirksame Unterstützung.

Wir wollen jedes Kind so fördern, dass es die Anforderungen auch erreichen kann. Oder, mit den Worten des IHK-Vorsitzenden Jan Müller: „Leistung bedeutet, das Beste aus seinen eigenen Möglichkeiten zu machen.“

Bildung entscheidet über Teilhabechancen unserer Kinder – und über die Zukunft unseres Landes. 

Niedersachsen braucht eine Gesamtstrategie, die Leistung, Chancengerechtigkeit und Wohlbefinden zusammendenkt. Das wirkt nicht über Nacht. Aber wer heute nicht sät, erntet auch in zehn Jahren nichts. Niedersachsen lebenswert, gerecht und zukunftsfähig zu gestalten – das beginnt in unseren KiTas. 

 

Zurück zum Pressearchiv